Sprache

In diesem Abschnitt werden das Konzept und die Beschreibungssprache der KMDL näher erläutert. Das Konzept der KMDL® basiert auf der Modellierung wissensintensiver Geschäftsprozesse bzw. wissensintensiver Teile herkömmlicher Geschäftsprozesse. Wissensintensive Geschäftsprozesse zeichnen sich unter anderem durch einen hohen Grad an Komplexität, eine schwache Strukturiertheit, kommunikationsorientierte Aufgaben und eine hohe Mitarbeiterautonomie aus. Die KMDL® ermöglicht die Beschreibung von Wissenskonversionen in wissensintensiven Geschäftsprozessen. Der Wissensfluss wird mittels Wissenskonversionen dargestellt. Dazu wird zwischen stillschweigendem (engl. tacit) und explizitem (engl. explicit) Wissen unterschieden. Die beiden Wissensformen werden aber nicht getrennt voneinander betrachtet, da erst durch deren Interaktion Wissen im jeweils anderen Bereich geschaffen und erweitert wird. Diese Wechselwirkung wird als Wissensumwandlung (engl. knowledge conversion) bezeichnet.

In der KMDL® wird die konversionsorientierte Beschreibung der wissensintensiven Geschäftsprozesse und dessen Anreicherung mit den genutzten und erzeugten Informations- und Wissensobjekte, um die Wissensflüsse und -konversionen erweitert. Für jede Konversionsform sind Konversionsmethoden definiert. Alle Wissenskonversionen verlaufen zwischen Informations- und Wissensobjekten. Dabei definieren die Start- und Zielobjekte die Konversionsform. In der KMDL® v2.2 werden zusätzlich vier Konversionsarten unterschieden. Atomare Konversionen beschreiben die kleinstmöglichste Konversion und besitzen jeweils genau ein Start- und ein Zielobjekt. Komplexe Konversionen bestehen aus atomaren Konversionen und besitzen mehrere Startobjekte und ein Zielobjekt oder ein Startobjekt und mehrere Zielobjekte. Abstrakte Konversionen bestehen aus mehreren Start- und mehreren Zielobjekten. Sie werden als Summe mehrerer stattfindender Wissenskonversionen verstanden, die nicht näher betrachtet werden sollen. Unbestimmte Konversionen können entweder atomare, komplexe oder abstrakte Konversionen sein und sind somit Platzhalter für die drei anderen Konversionsformen. Dabei werden vier Grundformen der Wissensumwandlung in einem Prozess unterschieden:

  • Vom stillschweigenden zum stillschweigenden Wissen – die Sozialisation
  • Vom stillschweigenden zum expliziten Wissen – die Externalisierung
  • Vom expliziten zum expliziten Wissen – die Kombination
  • Vom expliziten zum stillschweigenden Wissen – die Internalisierun

Aktuell liegt die KMDL® in der Version 2.2 vor. Die Basis der KMDL® v2.2 bilden die Wissenskonversionen, welche entlang und zwischen den Geschäftsprozessen eines Unternehmens auftreten. In Übereinstimmung mit NONAKA und TAKEUCHI ist die Interaktion von explizitem und stillschweigendem Wissen die Hauptantriebskraft in der Wissenserzeugung. Bei der Wissensübertragung handelt es sich um eine Interaktion zwischen implizitem und explizitem Wissen, die durch Konversionen zwischen diesen Wissensarten abgebildet werden kann. Es werden die vier Konversionstypen Sozialisation, Externalisierung, Kombination und Internalisierung unterschieden.

Sozialisation ist ein Erfahrungsaustausch, bei dem stillschweigendes Wissen, wie etwa gemeinsame mentale Modelle oder technische Fertigkeiten, entstehen. Dies kann in einem persönlichen Gespräch, bei einer Konferenz, durch Erfahrungsaustausch oder Nachahmung geschehen. Den Schlüssel zum Erwerb von stillschweigendem Wissen bildet die Erfahrung.

Externalisierung ist der Prozess der Artikulation vom stillschweigenden Wissen in explizite Konzepte. Unter Nutzung von Metaphern, Analogien oder Modellen kann stillschweigendes Wissen so ausgedrückt werden, dass es durch Dritte verstanden wird.

Bei der Kombination wird bestehendes explizites Wissen durch deren Verknüpfung zu neuen expliziten Wissen zusammengesetzt. Verschiedene Formen von explizitem Wissen können durch Medien, wie z.B. dem Telefon, E-Mail, erneuter Konfiguration, Kategorisierung und Hinzufügen neuer Informationen zu dem bestehenden Wissen erweitert werden.

Internalisierung ist der Prozess zur Eingliederung von expliziten in sillschweigendes Wissen, stark verwandt zum "Learning-by-doing". Erfahrungen welche auf Basis von Sozialisation, Externalisierung oder Kombination gesammelt werden, können in die individuell bestehende Wissensbasis integriert werden. Dort werden sie entweder Bestandteil der Fähigkeiten ("Know-how") oder des mentalen Modells.

In der KMDL® v2.2 wird grundsätzlich zwischen der Prozess-, der Aktivitäts- und der Kommunikationssicht unterschieden. Auf der Prozessebene können die Aufgaben in einen zeitlichen Zusammenhang gebracht werden. Zu jeder Aufgabe können Rollen und verwendete Informationssysteme angegeben werden. Auf der Aktivitätsebene findet die Darstellung der Wissenskonversionen statt. An jede Konversion können Anforderungen definiert werden. Dabei wird zwischen fachlichen, methodischen, sozialen, Handlungs- und technischen Anforderungen differenziert. Die technischen Anforderungen können durch Funktionen von Informationssystemen abgedeckt werden. Die anderen Anforderungen werden durch die ebenfalls differenzierten Wissensobjekte von Personen/Teams sichergestellt. Neben den Arten von Anforderungen kann weiterhin zwischen obligatorischen und fakultativen Anforderungen unterschieden werden. Start- und Zielobjekte von Konversionen können sowohl Informations- als auch Wissensobjekte sein. Die Wissensobjekte können an Personen, Teams oder unbestimmten Personen modelliert werden. Eine Aufgabe aus der Prozesssicht kann in der Aktivitätssicht aus mehreren Konversionen bestehen und ermöglicht so eine Abstraktion des Diskursbereiches. Listener überwachen Konversionen und können Bedingungen und Einschränkungen an Start- oder Zielobjekte stellen. Die Kommunikationssicht dient der Darstellung der Kommunikation innerhalb einer Organisation