Entwicklung

Die Basis der KMDL® wurde in der Version 1.0 zunächst in der Projektgruppe Wissensmanagement an der Universität Oldenburg unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau entwickelt. Die Motivation war das Fehlen einer hinreichenden Methode zur Modellierung wissensintensiver Geschäftsprozesse. Mit der Berufung von Professor Gronau an die Universität Potsdam wurde am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government in der Forschungsgruppe Wissensmanagement die Weiterentwicklung der KMDL® vorangetrieben. Hier wurden neben der Modellierungsmethode ein Vorgehensmodell sowie Mechanismen zur Potenzialanalyse entwickelt. Dabei entstand zunächst die KMDL® v1.1, welche bereits in mehreren Forschungs- und Praxisprojekten erfolgreich eingesetzt wurde. In dem vom BMBF geförderten Verbundprojekt M-WISE wird die KMDL® speziell für den Einsatz in der Softwareentwicklung weiterentwickelt, welches zum Sprachderivat KMDL-SE führt. Die Anforderungen für die KMDL-SE dazu wurden im Verbundprojekt ermittelt.

Aufgrund der Erfahrungen, welche in den durchgeführten Forschungs- und Praxisprojekten gesammelt wurden und den daraus resultierenden Anforderungen an eine Modellierungssprache für wissensintensive Geschäftsprozesse entstand die KMDL® v2.0. Dabei wurde das Konzept der Wissenskonversionen erweitert. Die Wissenskonversionen bilden die Grundlage der KMDL®, um die realen Wissensaktivitäten realitätsnah abbilden zu können. Des Weiteren wurden eine Formalisierung der Modellelemente und deren Beziehungen sowie deren Attribute durchgeführt und die Sprache vereinfacht. Durch die Einführung von Informationssystemen ist eine integrative Betrachtung der Wissensmanagementaktivitäten möglich. Das Konzept der KMDL® basiert auf der Modellierung von wissensintensiven Geschäftsprozessen bzw. von wissensintensiven Prozessteilen herkömmlicher Geschäftsprozesse.

Die drei bestehenden Versionen der KMDL® wurden im Zuge des Forschungsprojektes IOSE-W zu einer gemeinsamen KMDL®-Version 2.1 zusammengefasst, die nach kleinen Modifikationen KMDL® v2.2 genannt wurde. So können die aktivitätsorientierten Konversionen aus KMDL® v2.0 und der prozessorientierte Ablauf aus KMDL® v1.1 miteinander verbunden werden. In dieser Kombination ist die Beschreibungssprache noch mächtiger und ausdrucksstärker.

Im Folgenden werden die Grundlagen und das Konzept der KMDL® v2.2 vorgestellt. Die KMDL® (Knowledge Modeling and Description Language) ist eine Beschreibungssprache zur Modellierung wissensintensiver Geschäftsprozesse. Mittels der Betrachtung der Quelle von Wissens- und Informationsobjekten, sowie des Wissensflusses lassen sich Aussagen über die Wissens- und Informationserzeugung treffen. Dieser Ansatz ist insbesondere in wissensintensiven Geschäftsprozessen von besonderer Bedeutung, denn Wissen kann, wie jeder andere Produktionsfaktor auch, erst vom Unternehmen eingesetzt werden, wenn es generiert oder erworben wurde. Im Gegensatz zu konventionellen Geschäftsprozessmodellierungssprachen wird neben der Darstellung des expliziten Wissens das im Geschäftsprozess vorhandene stillschweigende Wissen (engl. tacit knowledge) der Akteure visualisiert. Somit kann die gesamte Wissensbasis des Unternehmens beschrieben werden. Die Methode der KMDL® umfasst derzeit

  • das Konzept, welches das zu modellierende System abgrenzt,
  • die Beschreibungssprache, welche den Modellumfang spezifiziert und
  • das Vorgehensmodell, welches das Vorgehen bei der Modellierung, Analyse und Bewertung bestimmt.

Ziel der KMDL®-Modellierung ist es neben dem Aufzeigen von ablauftechnischen Prozessverbesserungen, Wissensmanagementaktivitäten direkt am Ort der Wertschöpfung einzusetzen. Darüber hinaus bieten die erhobenen Wissenskonversionen unter anderem Anhaltspunkte zur Beurteilung der Unternehmenskultur z.B. betreffend des gemeinsamen Wissensaustauschs, des Umfangs des im Prozessverlauf explizierten Wissens und der Nutzung bestehender Wissensmanagementsysteme.

Im nachfolgenden Abschnitt sollen die Verbesserungen und Änderungen gegenüber der Vorgängerversion von KMDL® erläutert und diskutiert werden. Mit der Weiterentwicklung von KMDL® konnte die Sprache weiter formalisiert werden. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Objekten und das Entity-Relationship-Diagramm wurden dabei erweitert.

Die Einführung von Abstraktionskonzepte, wie Generalisierung/Spezialisierung, Aggregation und Komposition ermöglichen eine detaillierte und umfangreiche Modellierung des Diskursbereiches. KMDL® v2.0 konzentriert sich eindeutig auf die Beschreibungssprache und weniger auf die Implementierung der Objekte. Mit der KMDL® v2.0 sind einige Objekte der früheren Version nicht mehr vorhanden, andere Objekte sind hinzugekommen. So sind die Objekte Informationssystem, Funktion, Listener, unbestimmte Person und Kommentar hinzugekommen. Das Objekt Rolle ist nur noch als Attribut der Person bzw. Team vorhanden.

Die neue Version konzentriert sich auf die unterschiedliche und vielfältige Darstellung von Wissenskonversionen. So waren Aufgaben in der Version 1.1 eine Menge von Konversionen, die nicht näher untersucht wurden. Die Semantik der früheren Aufgabe wurde zu Konversionen bzw. Prozessschritt umgetauft. Sowohl Wissensobjekte als auch Informationsobjekte können in eine Konversion einfließen. Die differenzierte Betrachtung der Wissenskonversionen ermöglicht so eine ausdrucksstärkere Modellierung von wissensintensiven Prozessen. Es wird einerseits zwischen den vier Konversionstypen (atomar, komplex, abstrakt, unbestimmt) und den fünf Konversionsarten (Internalisierung, Externalisierung, Kombination, Sozialisation, unbestimmt) unterschieden. Zusätzlich werden Konversionsmethoden pro Konversionsart eingeführt. In der alten Version existierten Aufgabenanforderungen, diese wurden in der neuen Version zu Konversionsanforderungen. Auch Konversionsanforderungen wurden differenziert dargestellt. Es existieren fünf Anforderungsarten (sozial, fachlich, methodisch, handlung, technisch). Die ersten vier Anforderungen können durch Personen oder Teams abgedeckt werden, d.h. auch bei Wissensobjekten existieren diese vier Ausprägungen. Technische Anforderungen können nur von Informationssystemen bzw. dessen Funktionen abgedeckt werden. Mit der KMDL® v2.0 ist auch die Darstellung von kollektiven Wissen möglich. Im gesamten modellierten Prozess können Kommentare angegeben werden oder an die Konversionen können durch Listener Bedingungen und Einschränkungen notiert werden.

Mit den weiterentwickelten KMDL® v2.1 und KMDL® v2.2 wurden die beiden Vorgängerversionen (1.1 und 2.0) miteinander verbunden und die Objekte der KMDL® v1.1 und der v2.0 wurden den drei Sichten (Prozess- , Aktivitäts- und Kommunikationssicht) zugeordnet. Die Prozesssicht orientiert sich dabei sehr stark an die ehemalige KMDL® v1.1 und die Aktivitätssicht ist fast identisch mit der KMDL® v2.0. Auf der Prozessebene wird der Ablauf modelliert, hier kann bereits zu einer Aufgabe Rollen und Informationssysteme modelliert werden. Auf der Aktivitätssicht werden wissensintensive Aufgaben näher untersucht. Auf dieser Ebene stehen die Wissenskonversionen aus KMDL® v2.0 zur Verfügung. Somit konnte eine Verbindung zum Prozessablauf erreicht werden, aber dennoch können die wissensintensiven Aufgaben näher untersucht werden. Die Kommunikationssicht ermöglicht Verbindungen zwischen einzelnen Personen, Abteilungen oder sonstigen Personengruppen innerhalb einer Organisation zu modellieren und zu analysieren. Hier wurde sowohl das Kommuniaktionsmedium als auch die Kommunikationsart erfasst. Somit können Kommunikationsstrukturen näher untersucht und wichtige Personen sogenannte "keyuser" identifizieren werden.